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Architektur, Fossilien und der Urvogel

Willibaldsburg
Datum:
Veröffentlicht: 11.9.22
Von:
Klaus-Stefan Krieger

KKV-Familienwochenende in Eichstätt

Ursprünglich hatten sämtliche Wettervorhersagen für den Samstag Dauerregen vorhergesagt. Doch dann kam es ganz anders: Der KKV konnte beim Familienwochenende sämtliche angekündigten Freiluftaktivitäten durchführen.

Den Auftakt machte am Freitagabend ein Rundgang mit dem Nachtwächter. Redegewandt erklärte der stilecht gewandete Stadtführer den Kindern Wissenswertes über seinen Beruf und die mittelalterliche und später barocke Stadt: Dass seine Hellebarde nicht nur eine Waffe war, sondern auch zum Herumstochern in kleinen Brandherden diente. Dass man das Wasser der tiefen Brunnen zum Feuerlöschen nutzte, aber nicht trinken konnte, weil die Bewohner ihre Abfälle einfach in die Altmühl warfen. Und dass die geistliche Stadt, in der die Kleriker rund um den Dom wohnten, für den Nachtwächter tabu war. Die Domkapitulare waren es auch, die repräsentative Häuser errichteten. Mit steilen Dächern, gedeckt mit Ziegeln, die sich nur die Adeligen leisten konnten. Die Bürger dagegen bedeckten ihr Zuhause mit den Sollnhofer Platten, wegen deren Gewicht die Dächer flach sein mussten. Manche Geistliche zeigten ihre vornehme Herkunft durch Gebäude, die mitten in der Stadt Burgen nachahmten samt Bergfried. Solch einen eigentlich nutzlosen Turm – einer von zwei bis heute in Eichstätt erhaltenen – bekam die Gruppe denn auch zu sehen.

Aufgrund solch kompetenten Wissens enttarnte die Reiseleitung den Nachtwächter schließlich als pensionierten Architekten. Daraufhin schloss der frühere Mitarbeiter des berühmten Diözesanbaumeisters Karljosef Schattner noch eine kostenlose Zugabe an und zeigte am Beispiel des Diözesanarchivs, wie sein Lehrer historische Gebäude meisterlich mit modernen Anbauten kombinierte.

Der Samstag führte noch viel weiter zurück in die Geschichte. Nach einer Wanderung auf den Blumenberg hieß es Steineklopfen. Im Fossiliensteinbruch ist die Sträflingsarbeit zum Freizeitvergnügen mutiert. Alle Teilnehmer des Familienseminars, ob groß, ob klein, durften mit Hammer und Meißel die Platten in ihre Schichten spalten und schauen, ob sich darin nicht ein Fossil findet. Einige kleine Spinnentiere wurden in der Tat entdeckt und durften als Souvenir mitgenommen werden.

Der Nachmittag stand dann zur freien Verfügung. Während einige sich ins Freibad wagten, gingen andere noch einmal in die Stadt. Auf dem Marktplatz überraschte der Bieranstich zum Volksfest mit Freibier und einem kleinen Festzug. Den Abend verbrachten die Familien rund ums Lagerfeuer bei der gastgebenden Jugendherberge.

Die Zeit vor 150 Millionen Jahren erkundeten die Teilnehmenden am Sonntagmorgen noch einmal im Juramuseum. Hier konnten sie den berühmten Archaeopteryx sehen; das Eichstätter Exemplar des Urvogels wurde 1951 genau in jenem tags zuvor besuchten Steinbruch entdeckt. Herausragende Ausstellungsstücke sind aber auch das weltweit einzige Exemplar des Raubdinosauriers Juravenator, der erste jemals gefundene Flugsaurier und Alcmonavis, der „Altmühlvogel“.

Die Kinder, die eine eigene Führung erhielten, faszinierten besonders die Schauaquarien mit den Korallen und ihren farbenfrohen Fischen. Vom Führer als „einzigartig“ und „unbezahlbar“ bezeichnet, hatten sie zudem die seltene Gelegenheit zu beobachten, wie Fische und ein Seestern das Fleisch einer toten Muschel verzehrten.

Vom Turm der Willibaldsburg, in dem das Museum untergebracht ist, ließ sich zum Abschied ein weiter Rundblick auf Eichstätt und das Altmühltal werfen. Ein Mittagessen im Brauereigasthof „Trompete“ stärkte die Familien für die Heimfahrt.