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Bandbreite der katholischen Kirche als Reichtum verstehen

KKV Passau in Stift Reichersberg
Datum:
Veröffentlicht: 23.8.23
Von:
Georg Steiner

KKV Passau diskutierte mit dem Propst von Stift Reichersberg

Bei der Kultur- und Kirchenfahrt des KKV Passau in das Stift Reichersberg in Oberösterreich diskutierten die Teilnehmer mit Propst Markus Grasl auch die Situation der Kirche. Der Ordensmann rät davon ab, für alle das Gleiche zu wollen. Jedem Katholiken und jeder Gruppe müsse seine bzw. ihre Besonderheit zugestanden werden. Klöster und Verbände böten die Chance, dass Menschen sich zusammenfinden, um Glauben gemeinsam zu leben. Dabei könnten sie auch Distanzierte ansprechen.

Die diesjährige Kultur- und Kirchenfahrt führte den KKV Passau in das Stift Reichersberg nach Oberösterreich. Propst Prälat Markus Grasl und Stiftsadjutor Dr. Karl Reininger führten die Gäste durch das traditionsreiche Kloster, das auf eine fast eintausendjährige ununterbrochene Geschichte zurückblicken kann.

Grund genug, um mit Propst Markus Grasl auch die Situation der Kirche in der Gegenwart zu beleuchten und zu diskutieren. KKV-Ortsvorsitzender Georg Steiner stellte dazu die Motivation für die Arbeit eines katholischen Verbandes dar. Es gehe darum, so Steiner, die Relevanz der Kirche in unserer Gesellschaft zu stärken. Die Auswirkungen einer Gesellschaft, in der die Kirche eine immer geringe Rolle spielt, sieht er als besorgniserregend. Viele Menschen seien von Ängsten geprägt und der Zulauf zu esoterischen Angeboten steige. Dazu komme eine wachsende Spaltung und Polarisierung des öffentlichen Lebens.

Propst Grasl stellte heraus, dass es nichts bringe, nur gemeinsam zu jammern. Jeder solle an seiner Stelle dazu beitragen, zu einer neuen Wirksamkeit von Kirche beizutragen. Aktuell sei man zu sehr mit sich selbst beschäftigt. „Nur wofür man selbst brennt, dafür kann man auch in seiner Arbeit brennen“, zitierte er eine Botschaft des Ordensgründers, des Heiligen Augustinus.

Grasl empfahl, die große Bandbreite von katholischen Positionen als Reichtum einer Weltkirche zu sehen. Man solle nicht versuchen, für alle das Gleiche zu wollen, sondern jedem Katholiken und jeder Gruppe seine Besonderheit zuzugestehen und sie seitens der anderen zu akzeptieren. Sowohl Klöster als auch Verbände böten die Chance, dass sich gläubige Menschen zusammenfinden, um Kirche in der Gemeinschaft leben zu können. Seelsorge sollte nicht nur jene im Blick haben, die bereits ihren Weg und Ihre Begeisterung für Jesus, für die Kirche gefunden haben. Gerade die Kirche in Österreich oder Deutschland solle sich darum bemühen, Glauben in der Gemeinschaft auch für jene wieder erlebbar zu machen, die bereits von einer gewissen Distanz zur offiziellen Kirche geprägt seien. Dies passiere immer weniger in Pfarrgemeinden, so Grasls Feststellung. Deshalb hätten Klöster, aber auch kirchliche Vereine und Verbände eine wichtige Funktion, um glaubenden und suchenden Menschen eine Orientierung und die Fasziniation von Glauben in unserer Welt zu ermöglichen.

Gerade Papst Franziskus lebe das vor. Er habe mit zahlreichen Veröffentlichungen eine große Bandbreite für eine lebendige Kirche im 21. Jahrhundert eröffnet. Dies sollte von den Bischöfen und Kirchenoberen vor Ort mutig verkündet, unterstützt und gelebt werden, meint Grasl.

Man müsse vor Ort nicht ständig versuchen, päpstlicher als der Papst sein, lautete die Einschätzung der Teilnehmer dieser Kulturfahrt. Das Gespräch mit Propst Markus empfanden sie als ermutigend und inspirierend. Sie sind überzeugt, dass gerade Klöster und kirchliche Verbände wichtige Impulse setzen könnten, um die Kirche in eine gute Zukunft im Sinne stimmiger Botschaften für ein gelingendes Leben im 21. Jahrhundert zu führen.