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Barock - eine katholische Werbekampagne

Landesuasstellung 2023 Regensburg
Datum:
Veröffentlicht: 25.7.23
Von:
Klaus-Stefan Krieger

Besuch der Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung in Regensburg

Die Landesausstellung „Barock. Bayern und Böhmen“ war Ziel einer Exkursion, die Mitglieder des KKV nach Regensburg führte. Im Barock setzte die katholische Kirche gegen die Reformation, die den Glauben auf das Wort reduzierte, auf eine Verkündigung, die nicht nur den Intellekt, sondern alle Sinne anspricht: mit opulenten Bildern, eindrucksvoller Architektur, glanzvoller Musik, mit Theater und Dichtkunst. Nach den Zerstörungen und Entbehrungen des Dreißigjährigen Krieges sollten die Menschen wieder Schönheit und Frohsinn erleben.

Die Landesausstellung „Barock. Bayern und Böhmen“ war Ziel einer Exkursion, die Mitglieder des KKV nach Regensburg führte.

Bei einem Treffen im Biergarten des Gasthauses Bischofshof gab Georg Steiner, bis vor kurzem Tourismusdirektor in Linz, vorab eine private Einführung ins Ausstellungsthema. Für den Passauer KKV-Vorsitzenden war der Barock eine glänzende Marketingstrategie der katholischen Kirche. Sie war in der zweiten Hälfte des 17. Jh. religiös wie politisch in die Defensive geraten. Die Jesuiten seien, so Steiner mit einem augenzwinkernden Vergleich, die Werbeagentur gewesen, die den Pitch um eine katholische Kampagne gewonnen hätte. Gegen die Reformation, die den Glauben auf das Wort reduzierte, setzte die katholische Kirche auf eine Verkündigung, die nicht nur den Intellekt, sondern alle Sinne anspricht: mit opulenten Bildern, eindrucksvoller Architektur, glanzvoller Musik, mit Theater und Dichtkunst. Nach den Zerstörungen und Entbehrungen des Dreißigjährigen Krieges sollten die Menschen wieder Schönheit und Frohsinn erleben. „Fromm durch Freude“ bringt Steiner dieses Programm in ein Motto. Zugleich habe man Angst genommen: Erfreue dich an dem Guten, das dir in diesem Leben geschenkt ist, und erwarte das Leben nach dem Tod als verschwenderisches Paradies.

Die anschließende Führung im Haus der Bayerischen Geschichte spannte den Bogen von eben jenem Krieg bis zum Bauboom des Wiederaufbaus. Dabei fokussiert sich die Landesausstellung auf Bayern und Böhmen, ist sie doch zugleich eine Kooperation des Freistaats mit Tschechien. Bayern und Böhmen waren auch zentrale Länder in den militärischen Auseinandersetzungen von 1618 bis 1648. Böhmen war mit dem Prager Fenstersturz der Auslöser, Bayern rasch mit vorne dabei bei der Niederschlagung des böhmischen Aufstandes. Bayern war auch Nutznießer des Krieges. Es erhält die Oberpfalz sowie die Kurfürstenwürde und damit eine Stimme bei der Kaiserwahl. Beides darf Bayern im Westfälischen Frieden behalten. Dazwischen lagen für beide Länder schlimme Zeiten. Sowohl Bayern als auch Böhmen wurden mehrfach von feindlichen Truppen besetzt, geplündert und verheert.

Nach dem Krieg entfesseln weltliche und geistliche Herren einen regelrechten Bauboom. Klöster und Adelsresidenzen, Pfarrkirchen und bald auch Profangebäude in Städten und Dörfern werden neu errichtet oder zumindest üppig ausgestaltet. Interessant ist: Die Ausstellung zeigt hierzu auch – teils gar nicht umgesetzte – Entwürfe, Architekturmodelle und kleine Gemälde, die sozusagen als Vorschau dienten, anhand derer die Auftraggeber Änderungswünsche anbringen konnten.

In der politischen Geschichte mündet die Ausstellung dann schon im nächsten großen Konflikt: dem Großen Türkenkrieg. Begleitet das militärische Ringen mit den Osmanen eigentlich schon die ganze Epoche, so eröffnet die zweite Belagerung Wiens 1683 eine Abfolge von Kriegszügen, die zu entscheidenden Siegen Österreichs und 1699 zu einem Frieden führen, der mit umfangreichen Gebietsabtretungen den Niedergang des Osmanischen Reiches einläutet. Kulturell aber beeinflussen die Feinde das Alltagsleben bis hin zum Muselmanen auf dem – in der Ausstellung beispielhaft gezeigten – Wirtshausschild.