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Fundament meiner Werte

Vortrag von P. Joe Übelmesser über Kirche
Datum:
Veröffentlicht: 11.5.23
Von:
Klaus-Stefan Krieger

P. Joe Übelmesser beantwortete die Frage: „Warum bleibe ich noch in der katholischen Kirche?“

Statt zu jammern, sollten wir öfter loben – die kirchlichen Hilfswerke, die Caritas, die Kindergärten, die Kirchenmusik, die Liturgie. Nicht um über die Probleme hinwegzugehen und sich etwas vorzumachen, sondern um sich des Guten zu vergewissern. Diesen Rat gab Pater Joe Übelmesser seinem Publikum im Pfarrzentrum St. Sebald. Auf Einladung des KKV Erlangen beantwortete der Jesuit die Frage: „Warum bleibe ich noch in der katholischen Kirche?“

Bei seiner Antwort, betonte der über 90 Jahre alte Priester, gehe es nicht um theologische Ausführungen, sondern um persönliche Gefühle, „Kirchenvolksgefühle“. Unter Bezug auf den großen Theologen Karl Rahner nannte Übelmesser den Grund: „weil ich es so von meiner Mutter gelernt habe“. Kirche sei für viele Menschen die Kirche ihrer Jugend. Von diesen Erfahrungen ließen sie sich tragen.

Grundsätzlicher legte er, den Philosophen Hans Jonas zitierend, das Bild von der Kirche als Mutter aus: „Wie die Mutter habe ich mir die Kirche nicht ausgesucht, aber auf ihr gründe ich. Sie ist das Fundament meiner Werte.“ Außerdem bleibe er „in dieser Kirche, weil es keine andere gibt.“ Allerdings gebe es viele verschiedene Gemeinschaften in der Kirche und sie könnten – auch entsprechend unterschiedlicher Bedürfnisse – Heimat geben.

Diese Vielfalt habe auch theologisch Bedeutung, denn sie wehre Ideologien ab: „Kirche ist die Garantie, dass Jesus Christus nicht einseitig vereinnahmt, nicht für eine Gruppe allein in Anspruch genommen wird.“

Den Soziologen Hartmut Rosa referierend, nannte Übelmesser Kirche einen Resonanzboden. Gerade die katholische Kirche biete Menschen Raum für Resonanz: Ihre Riten und Zeichen, ihre Heiligenverehrung schafften Verbindung – der Menschen untereinander, des Menschen zu sich selbst, des Menschen zu dem ganz Anderen, das als tragender Grund erfahren werde. Dafür benötige Religion privilegierte Orte, die dies ermöglichten. In einer Kirche sei der Mensch herausgenommen aus einem Alltag, in dem alles einen Zweck, eine Funktion habe. Die Resonanzerfahrung sei gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit wichtig, die – so Rosa – immer hektischer agiere, nur um den Status quo zu erhalten.

Die anschließende Diskussion zeigte, wie priesterzentriert das Denken vieler Gläubiger noch ist. „Wenn der Pfarrer so und so ist oder dieses und jenes tue, dann ist alles gut.“ Doch, wie ein Teilnehmer mehrfach betonte, komme es heute darauf an, dass die Christen selbst aktiv werden.