Predigtgedanken zum 1. Fastensonntag 2020
Versuchung meint in der Bibel nicht etwas Sexuelles, sondern in erster Linie die Selbstüberschätzung, die Überheblichkeit des Menschen: "Weil ich es selbst kann, brauche ich keine höhere Macht mehr. Darin besteht in der Gegenwart auch die größte Versuchung. Weil wir alles haben und fast alles machen können, brauchen wir keine Hilfe mehr von oben. Wir sind auf uns selbst gestellt und können es auch alleine." Das sagt Geistlicher Beirat Konrad Herrmann im Blick auf die Erzählung von der Versuchung Jesu im Neuen Testament.
Herrmann stellt die kritische Frage: "Glauben wir Christen wirklich daran, dass Verzicht statt Genuss, dass Armut, dass Gehorsam statt Macht Gott und den Menschen gegenüber wirklich froh macht? Dass Reichtum wirklich nicht die eigentliche Versicherung für unsere Lebensqualität ist, sondern Gott?"
Denn Herrmann sieht Verzicht, Gehorsam und Armut - die sogenannten drei "Evangelischen Räte" - als Aufgabe eines jeden Christen: "Wer meint, das geht nur die sogenannte Amtskirche an, die Geistlichkeit, und sich selbst damit freispricht, weil die Profis es nicht fertigbringen, die Räte des Evangeliums vorzuleben, schaltet sich selbst aus der Nachfolge Jesu aus. Müsste nicht der Weg von allen Christen auf dem Boden der evangelischen Räte experimentiert vorgelebt werden? Vollkommen schaffen wir es nicht. Aber unser Weg muss mit Verzicht, Gehorsam (hörende Menschen werden) und Armut gekennzeichnet sein."