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Predigtgedanken zum 3. Fastensonntag 2020

Datum:
Veröffentlicht: 21.3.20
Von:
Klaus-Stefan Krieger
Beim Thema "Frauen in der Kirche" dürfe nicht übersehen werden, was in der Entwiicklung zur Überwindung negativer Einstellungen gegenüber der Frau dem Judentum und dem Christentum zu verdanken sei: "Natürlich gab es und gibt es gerade auch in der Kirche diesbezüglich negative Erscheinungen, doch den Grundtenor darf man nie übersehen", sagt Geistlicher Beirat Konrad Herrmann. Dieser Grundtenor komme in dem Evangelium des 3. Fastensonntags zum Ausdruck, das von der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen spricht. Jesus setze sich dabei bewusst über gesellschaftliche und religiöse Schranken hinweg. Das mache Mut, nicht an alten Zöpfen festzuhalten: "Irrlehrer ist man deswegen noch lange nicht, wenn man Überlegungen anstellt, was nach der Schrift oder aus der Tradition not-wendig ist (= die Nöte der Menschen umwenden kann) und was – sorgfältig und nicht überhastet – erneuert werden muss."

"Frauen in der Kirche und mit der Kirche sind nicht erst ein Problem, seitdem es Maria 2.0 gibt. Wer die Bibel ein wenig tiefer liest, wird in den beiden Testamenten erkennen, wie sich die Gottgläubigen und erst recht die Christusgläubigen von den damaligen negativen Einstellungen der Gesellschaft zur Frau schon gewaltig abgegrenzt und abgehoben haben. Ich bin überzeugt, wenn wir die Grundlagen und Glaubensbeispiele aus dem NT und AT nicht hätten, wären wir wesentlich weiter zurück. Wir verdanken gerade dem Judentum und Christentum unendlich viel in dieser Entwicklung, deren positive Seiten leider in der Gegenwart fast völlig übersehen werden. Natürlich gab es und gibt es gerade auch in der Kirche diesbezüglich negative Erscheinungen, doch den Grundtenor darf man nie übersehen. Jesus ist für uns Christen ein Maßstab, den es immer wieder neu zu betrachten gilt."

Als ein Beispiel, an dem wir Jesu Maßstab erkennen können, nennt der Geistliche Beirat das Evangelium des 3. Fastensonntags, das von der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen spricht. "Als jüdischem Rabbi ist es Jesus niemals erlaubt, eine samaritische Frau alleine am Brunnen anzusprechen. Samariter sind ein unreines Volk, weil es sich im 8. Jahrhundert mit den heidnischen Assyrern eingelassen hat. Die Bewohner Samariens dürfen deshalb in Jerusalem Jahwe, ihren gemeinsamen Gott, nicht mehr verehren. Jesus überschreitet hier nicht nur allgemeine Sitten, sondern noch mehr strenge Vorschriften der Juden. Er tat es bewusst."

Herrmann weist selbstkritisch darauf hin, auch wir "entdecken nicht, wie wir genauso kurzsichtig sind wie die damaligen Jünger oder damaligen Juden. Wir erklären sehr schnell etwas für ungültig oder unwürdig, wenn es der Tradition nicht entspricht: Weil es eben immer so war, dass Frauen nur bestimmte Dienste tun dürfen."

Das Evangelium mache Mut, nicht an alten Zöpfen festzuhalten: "Es muss doch immer betrachtet werden, was sich zeitbedingt entwickelt hat und was aus dem Glauben an Jesus Christus erhalten werden muss. Irrlehrer ist man deswegen noch lange nicht, wenn man Überlegungen anstellt, was nach der Schrift oder aus der Tradition not-wendig ist (= die Nöte der Menschen umwenden kann) und was – sorgfältig und nicht überhastet – erneuert werden muss."