„Social Freezing ist kein geeignetes Mittel zur Verbindung von Berufs- und Familienleben“
Stellungnahme des KKV Bayern zur „Woche für das Leben" 2017
Der KKV Bayern hält das sogenannte Social Freezing für keinen geeigneten Weg, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erhöhen. Der Landesverband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung sieht sowohl praktische Probleme als auch ungeklärte ethische Fragen. Vor allem warnt er davor, dass Unternehmen weibliche Beschäftigte dazu veranlassen, sich auf diese Methode der Fortpflanzungsmedizin einzulassen.
Der KKV Bayern bringt sich mit dieser Stellungnahme in die noch bis 6. Mai dauernden „Woche für das Leben“ ein. Die Aktion der katholischen und der evangelischen Kirche befasst sich in diesem Jahr mit dem Thema „Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby“.
„Das Verfahren, sich Eizellen entnehmen und diese einfrieren zu lassen, um sie später für eine Befruchtung zu verwenden, erzeugt die Illusion, einen Kinderwunsch immer weiter aufschieben zu können“, sagt KKV-Landesvorsitzender Dr. Klaus-Stefan Krieger. Dabei werde die tatsächliche Erfolgsquote der Methode häufig übersehen. Mindestens in einem Drittel der Fälle gelinge eine Befruchtung nicht. Daher könne das Einfrieren von Eizellen aus medizinischen Gründen vertretbar sein (etwa vor einer Chemotherapie). „Als Mittel der Karriereplanung“ hält Krieger es für ungeeignet.
Gefährlich wird es nach der Überzeugung des KKV, wenn Firmen Mitarbeiterinnen anböten, die Kosten des Social Freezing zu übernehmen, um sie im Unternehmen zu halten und von einer Familienpause abzubringen. „Wenn dieses Vorbild aus den USA in Deutschland Schule macht, bekommen wir eine groteske Situation“ sagt Krieger „Beim Vorstellungsgespräch ist es dem Arbeitgeber verboten, nach einer Schwangerschaft zu fragen. Nach der Einstellung überlassen die Mitarbeiterinnen dann die Kontrolle über ihre Familienplanung dem Unternehmen. Vor allem stellt sich die Frage: Welche Konsequenzen hat es für Frauen, die sich dieser Behandlung verweigern? Werden Mitarbeiterinnen, die Social Freezing für sich ablehnen, nicht mehr befördert?“ Angesichts der Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin befürchtet Krieger, dass es noch zu anderen Entwicklungen kommen könnte: „Am Ende tragen dann Frauen, denen eine gute Ausbildung fehlt, als Leihmütter auf Niedriglohnbasis die Kinder für Top-Managerinnen aus.“
Der KKV Bayern plädiert stattdessen für praktische Maßnahmen, damit Beschäftigte im Alltag Berufsleben und das Leben mit Kindern verbinden können. Dazu zählt der Verband neben Betriebskindertagesstätten und flexiblen Arbeitszeiten die Heimarbeit: „Die heutigen Möglichkeiten der Digitalisierung sollten genutzt werden, verstärkt Home-Office zu ermöglichen. Dabei muss allerdings darauf geachtet werden, dass dies nicht zu Selbstausbeutung der Mitarbeiter führt.“