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Vergessen trotz Nennung in der Bibel

Claudio Ettl
Datum:
Veröffentlicht: 16.4.23
Von:
Klaus-Stefan Krieger

Vortrag beim KKV Nürnberg über die ersten Christinnen

Zur Gemeinschaft um Jesus gehörten ganz selbstverständlich Frauen und auch in den frühen Christengemeinden waren Frauen völlig gleichberechtigt. Diese historischen Fakten breitete Claudio Ettl in einem Vortrag beim KKV Nürnberg aus.

An einzelnen Stellen des Neuen Testaments zeigte der Leiter des Katholischen Bibelwerks im Erzbistum Bamberg, dass Frauen – einige auch namentlich genannt – Jesus begleiteten. Einige dieser „Vergessenen Frauen – die ersten Christinnen“ (so der Titel des Vortrags) unterstützten Jesus auch finanziell. Das sei bemerkenswert, betonte Ettl, denn in der Antike verfügten Frauen in der Regel über kein eigenes Vermögen.

Dass „Vergessen auch Verleumden sein kann“, belegte Ettl an Maria Magdalena. Die außergewöhnlich nicht über einen Mann, sondern ihre Herkunft definierte Frau werde stets als erste genannt, spiele bei den Jüngerinnen somit die gleiche Rolle wie Petrus bei den Jüngern. Im Laufe der Kirchengeschichte hätten allen voran Päpste aus der Auferstehungszeugin eine Prostituierte gemacht.

Die frühen Gemeinden, so der stellvertretende Leiter der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus, „stellten die antike Gesellschaftsordnung auf den Kopf“. Wie Paulus im Galaterbrief programmatisch schreibe, hätten sie die Unterschiede auch zwischen Mann und Frau aufgehoben. Sie zeigten, „es geht auch anders“, und diese gelebte Alternative sei attraktiv gewesen. Selbst in den scheinbar anders lautenden Äußerungen in den späten Briefen des Neuen Testaments zeige sich indirekt, dass Christinnen sich nicht an die traditionelle Frauenrolle hielten. Deren Betonung durch die Autoren erkläre sich dadurch, dass die Frage umkämpft war.

Anschließend führte Ettl all die Frauen auf, die Paulus in seinen Briefen namentlich anspricht, weil sie für ihre Gemeinden bedeutend waren.

Am Ende der Veranstaltung im Gemeinschaftshaus Langwasser kritisierten Teilnehmerinnen, dass sie von alldem in Gottesdienst und Verkündigung nie etwas erfahren. Der Referent ermutigte daher mehrfach, selbst in der Bibel zu lesen.