Zuhören, anerkennen, Interesse zeigen

Kommunikations-Seminar mit Michael Rossié im KKV Hansa Haus in München
25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind vor Ort im KKV Hansa-Haus und genauso viele haben sich online angemeldet. Der dritte Teil der BWB-Reihe „Die Arbeitswelt von morgen“ dreht sich um eine gute Kommunikation. Und von Michael Rossié, einen der anerkannt besten Speaker in Deutschland, kann man genau darüber viel lernen. Zum Beispiel, dass heute bei geschäftlichen Anliegen alles kurz und knackig gesagt werden sollte.
„Heute will niemand mehr lange zuhören, bis er verstanden hat, weshalb Sie sich melden. Er will es gleich nach dem ersten Satz verstanden haben“, erklärt Michael Rossié. Wenn man also den technischen Support seiner Firma anruft, weil der Drucker nicht mehr geht, sollte man gleich auf den Punkt kommen und nicht erst umständlich erzählen, welche Abenteuer man mit diesem Drucker in den letzten zehn Jahren erlebt hat.
Die Art der geschäftlichen Kommunikation ändert sich mit dem Alter der Mitarbeitenden eines Unternehmens. Es gibt bereits die ersten Firmen, in denen intern keine E-Mails mehr verschickt werden, sondern die Belegschaft per Slack kommuniziert, einem webbasierten Messaging-Dienst (so etwas wie WhatsApp, Anm. d. Red.). Wer als Unternehmen für junge Mitarbeitende attraktiv sein möchte, sollte deren kommunikative Wünsche sehen und umsetzen.
Schlüsselbegriff Verantwortung
Junge Menschen wollten sich im Arbeitsleben generell ernstgenommen fühlen. Michael Rossié berichtet, dass er vor kurzem bei einer Fensterbaufirma war, die auf eine Stellenanzeige hin keine einzige Bewerbung künftiger Azubis erhalten habe. Dann habe es die Firma mit dem Schlüsselsatz versucht „Bei uns können Sie früh Verantwortung übernehmen.“ Daraufhin sei eine Reihe von Bewerbungen auf die Ausbildungsplätze eingetroffen. Nun wird im Unternehmen darauf geachtet, dass die Azubis für bestimmte Arbeitsbereiche verantwortlich sind.
Für eine gute und wertschätzende Kommunikation sollen sich die Gesprächspartner unabhängig vom Lebensalter ernstgenommen fühlen. Wenn etwa ein Vorgesetzter zu Beginn eines Personalgesprächs die unpassenden Sätze benutzt „Wie geht es Ihnen heute?“ oder „Schön, dass Sie sich die Zeit für unser Gespräch nehmen.“, dann fühlen sich die Mitarbeiter veräppelt. Wie soll es einem Mitarbeiter schon gehen, der zum Gespräch mit seinem Chef kommen muss? Er ist vermutlich etwas nervös. Und er hat auch nicht die Wahl, sich „die Zeit dafür zu nehmen“. Er muss einfach hingehen, basta.
„Beim gelingenden Mitarbeitergespräch geht es darum, dass der Mitarbeiter dem Chef sagen kann, was ihn gerade umtreibt oder aufregt oder welche Ideen er hat“, erklärt Michael Rossié. Der renommierte Rhetoriktrainer nennt das „Rabattmarken einlösen“. Jede „Rabattmarke“ steht für ein unerfreuliches Erlebnis beim Mitarbeiter. Wenn sich davon zu viel angesammelt hat und der jeweilige Mitarbeiter nicht mit dem Vorgesetzten darüber sprechen kann, dann verliert er über kurz oder lang die Lust an der Arbeit. Rossiés Fazit: „Beim Mitarbeitergespräch müssen die Mitarbeiter Dampf ablassen können. Dann bleiben sie auch in der Firma, weil sie sich ernstgenommen fühlen.“
Interesse am Gegenüber und gutes Zuhören sind besonders wichtig dafür, dass wir besser und entspannter miteinander reden. Das gilt auch im privaten Bereich. Mancher Ehemann kennt die seufzende Frage „Soll ich zu diesem Kleid die blauen oder die weißen Schuhe anziehen?“ Auf der Sachebene nachzufragen, ist hier nicht hilfreich. Die Fragestellerin leidet unter dem ungelösten Dilemma, und fühlt sich durch ein ehrlich gemeintes „Du, das ist wirklich eine schwere Entscheidung“ wahrgenommen und auf der emotionalen Ebene verstanden. Die Antwort auf ihre Frage, welche Farbe letztlich besser passen könnte, ist dann schon in ihr selbst am Entstehen.
Solche Entscheidungsfragen gibt es auch immer wieder im Berufsleben. Die Anerkennung durch den Chef, dass dies oder jenes wirklich ein Dilemma sei, kann bei Mitarbeitenden viel an kreativen Kräften freisetzen.